Der geringe Stellenwert des Radverkehrs in Pforzheim – Vier Beispiele

Ich zeige hier an vier Beispielen, wie gering der Stellenwert in der Stadt Pforzheim bezüglich Radverkehr ist, obwohl von der Stadt immer wieder behauptet wird, dass alle Formen der Mobilität unterstützt und besonders der Radverkehr gestärkt werden soll.

1. Freigabe von Einbahnstraßen sinnlos, da nicht legal nutzbar

Vor ein paar Jahren wurden in Pforzheim, zusammen mit dem ADFC Pforzheim-Enzkreis, sämtliche Einbahnstraßen vor Ort und unter Beteiligung der zuständigen Behörden daraufhin überprüft, ob sie für Radfahrende in Gegenrichtung freigegeben werden können.

Im Zuge dessen wurden später „in mehr als der Hälfte“ der Fälle die Einbahnstraßen für Radfahrende freigegeben und entsprechend beschildert. (PDF-Datei eines Vortrags des GTA Pforzheim 2017, Seite 22.)

Dass diese freigegebenen Einbahnstraßen in den meisten Fällen seit dem jedoch für Radfahrende gar nicht legal nutzbar sind, das ist auch nach mehreren Jahren leider niemandem aufgefallen, weder der Stadtverwaltung noch dem ADFC Pforzheim-Enzkreis.

Denn zusätzlich zur Beschilderung mit dem Zusatzzeichen „Fahrrad frei“ muss man auch legal in solch eine Einbahnstraße abbiegen können. Wenn es Richtungspfeile gibt, die für Autofahrende das Abbiegen in die freigegebene Einbahnstraße verbieten, dann benötigen Radfahrende darunter das Zusatzzeichen „Fahrrad frei“, um legal abbiegen zu können.

In meinem abgeschlossenen Projekt habe ich systematisch diese Stellen in Pforzheim vor Ort selbst überprüft und die Stellen an die Stadtverwaltung gemeldet. Details gibt es im Wiki, siehe hier.

Hier eine Karte. Jede Markierung repräsentiert eine falsche Beschilderung einer in Gegenrichtung freigegebenen Einbahnstraße.

Karte mit falschen Beschilderungen von Einbahnstraßen in Pforzheim. (Direktlink)
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2. Offizielle Radroute des Enztalradwegs – für Radfahrende nur auf dem Gehweg trotz breiter Fahrbahn, aber nicht durchgehend …

Ein sehr unschönes Beispiel ist die Simmlerstraße, die bisher beschilderte Hauptroute des Enztalradwegs durch Pforzheim auf dem Abschnitt „Benckieser Brücke“ bis „Jahnstraße“. Dort, wo die neue Querungsmöglichkeit für Radfahrende gebaut wurde, damit der Enztalradweg in Zukunft auf die Südseite verlegt werden kann. Das wird aber noch lange dauern.

Hier der Ausschnitt auf einer Karte (Direktlink):

Die offizielle Route des Enztalradwegs durch die Pforzheimer Innenstadt.
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Radfahrende, die die offizielle Radroute von Westen nach Osten befahren wollen, und zu Fuß Gehende müssen sich hier miteinander auf dem schmalen Gehweg arrangieren. Radfahrende dürfen hier nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Stattdessen könnte man die Fahrbahn entgegen der Fahrtrichtung der Einbahnstraße freigeben, sie ist dafür breit genug.

Dazu wird die Freigabe des Gehwegs für Radfahrende mittendrin unterbrochen. Man muss dann entweder absteigen und auf dem Gehweg schieben oder man fährt auf der Fahrbahn wieder zurück und nimmt dann einen Umweg.

Nur 100 m weiter darf man wieder den Gehweg befahren.

3. Freigabe einer Einbahnstraße, aber unsichtbar

Ein weiteres Beispiel ist die Freigabe der Einbahnstraße für Radfahrende in Gegenrichtung der „Liebeneckstraße“ in Pforzheim.

Die Freigabe ist gar nicht sichtbar, wenn man von der Südseite vom Radweg kommt, sondern nur, wenn man von rechts kommt.

4. Schilder aus dem Museum

Unterwegs habe ich noch diese Beschilderung hier gefunden. BikeNotTuBS schrieb auf Twitter dazu, dass das obere Schild (Zeichen 242) aus der StVO-Fassung von 1970 stammt. Das untere Schild aus der StVO von 1987 (Zeichen 901). Beide Schilder sind seit 1992 gar nicht mehr gültig. Details gibt es bei Wikipedia, siehe hier.

Eigentlich dürfte es so etwas gar nicht geben, da eine Straßenverkehrsbehörde eigentlich alle zwei Jahre bzw. vier Jahr eine Verkehrsschau machen müsste, bei der solche alten Beschilderungen auffallen müssten, die man dann durch gültige Beschilderungen austauscht. Ein umfangreiches Dokument dazu gibt es vom ADAC, siehe hier.

Diese veralteten Schilder sehe ich sehr oft in Pforzheim, aber auch viele falsche Beschilderungen von Zweirichtungsradwegen, auf denen man gar nicht erkennen kann, dass einem Radfahrende entgegen kommen können. Das führt gerade bei den schmalen Geh- und Radwegen an unübersichtlichen Stellen zu gefährlichen Situationen, wie ich schon selbst erlebt habe.

Deshalb will ich mir in einem nächsten Projekt die Beschilderungen der Radwege in Pforzheim genau anschauen und Fehler an die Stadtverwaltung melden.

Ein Kommentar

  1. In Karlsruhe habe ich für 350m verkehrsarme unbedeutende Einbahnstraße mit zwei einmündenden Gassen vor Corona fast 1,5 Jahre gebraucht, um alle Schilder für den freigegebenen Radverkehr in Gegenrichtung zu bekommen. Es war völlig grotesk, wie blind vorgegangen wurde und träge alles Stück für Stück nachgebessert werden musste. Vermutlich klappt sowas nur, wenn neben der Rechtsgrundlage auch noch eine Karte mit den exakten Standorten der richtigen Verkehrszeichen und eine vollständige Bestellliste für Schilder und Befestigungen mitgeliefert wird.

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