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Mobilität

Gespräch mit einem Autofahrer

Ich war in der Stadt unterwegs, ein Autofahrer überholte mit wenig Abstand (<50cm) und ich rief aus Reflex etwas wie „Hey“ und rief das Kennzeichen, so wie meistens. Dann fuhr ich vielleicht 300 Meter bis zum Ortsende und machte dort eine Pause.

Als ich nach der Pause direkt auf die Landstraße fuhr, sah ich einige Meter weiter, dass das Auto, dessen Fahrer mich zuvor knapp überholte, in einer Haltebucht stand. Der Fahrer stand daneben und schaute mich die ganze Zeit an, als ich den Berg hoch fuhr. Da gerade ein Bus hinter mir angefahren kam, fuhr ich in die Haltebucht hinein und ließ den Bus und mehrere Fahrzeuge vorbei. Der Fahrer des Autos kam währenddessen auf mich zu; er muss dort um die 15 Minuten auf mich gewartet haben.

Gedächtnisprotokoll

Autofahrer (A): Wollten Sie sich beschweren?
Natenom (N): Sie haben wenig Abstand gehalten beim Überholen.
A: Sie fahren mitten auf der Straße! Dann fahren Sie doch am Rand.
N: Es gibt viele Gründe, nicht am Rand zu fahren. (Ich zählte ein paar Gründe auf und auch, was Gerichtsurteile fordern (0,8 bis 1,20 innerorts)).
A: Sie behindern den Verkehr, wenn Sie mittig fahren.
N: Ich bin der Verkehr. (Ich meinte, Teil des Verkehrs.)
A: Autofahrer müssen warten, weil sie schleichen.
N: Sie haben schon gesehen, dass ich gerade hier rausgefahren bin, um die Leute hinter mir vorbei zu lassen?

Dann behauptete A, dass er jeden Abend hinter mir fahren und jedes Mal warten müsse. Wenn ich also mehrmals die Woche, nicht aber jeden Tag, manchmal auch länger gar nicht, die Strecke zu unterschiedlichsten Zeiten hoch fahre, dann ist er zufällig jedes Mal hinter mir? Und heute hat er sogar 15 Minuten auf mich gewartet, um mir das alles zu sagen.

Ich erklärte ihm, dass es hier auf der Landstraße bis auf eine Stelle alle paar hundert Meter Gelegenheiten gibt, an denen ich die Leute vorbeilasse. Und wenn jemand Hass auf mich bekommt, weil er ein bisschen hinter mir fahren muss, dann habe derjenige ein Problem, nicht ich.

A: Aber es ist Ihnen doch bewusst, dass das Provokation ist?
N: Es ist mir bewusst, dass viele Leute das denken, aber es ist nicht meine Intention, zu provozieren. Ich will von A nach B fahren.
A: Ich sehe da keinen Sinn dahinter.
N: Ich mache Alltagsfahrten. Gerade war ich in der Stadt einkaufen und fahre jetzt nach Hause.

Krass fand ich in diesem Moment, dass es für ihn der Reaktion nach überhaupt nicht denkbar war, dass jemand Fahrrad fährt, um Dinge zu erledigen.

Es würde ihn ankotzen, dass er hinter mir „hereiern“ müsse, wenn er hochfährt. Ich habe ihm angeboten, für jede Sekunde, die er nachweislich hinter mir fährt, einen Cent zu bezahlen. Dann sagte er, letztens wäre er EINE Minuten hinter mir gefahren.

N: Eine Minute? Sie sehen aber noch fit und gesund aus!
A: Ja und?
N: Ja und?
A: Ich hab mehr zu tun als Ihnen hinterher zu fahren.
N: Und? Dann fahren Sie mir halt etwas hinterher; es überholt doch hier fast jeder auf der Strecke. Ich sehe das Problem nicht.
A: Ich fühle mich genötigt.
N: Ja das ist Ihr Problem.

Ich sagte, dass es Nötigung zwar gibt, die aber nicht zutrifft, nur weil er sich genötigt fühlt. Kopfschüttelnd ging er zurück zu seinem Auto und ich wartete bis er losfuhr.

Der Ton von uns beiden war übrigens währenden des Gesprächs immer ruhig.


Für Menschen, die so übers Fahrradfahren denken habe ich meine Radfahrer FAQ geschrieben, siehe hier. Vielleicht erkennt sich der Herr wieder und guckt da mal ein bisschen rein.

3 Antworten auf „Gespräch mit einem Autofahrer“

Wie lange wir wohl noch warten müssen, bis alle Autofahrer checken, dass sie nicht die einzigen Verkehrsteilnehmer sind!? 🤦‍♂️ Das Problem ist aber der Egoismus im Verkehr (soundso)! Jeder will erster sein, niemand zurückstecken. Regeln sind maximal Empfehlungen. Da wo ich fahre, gelten meine Regeln – nein, so geht das nicht (weiter).
Jemand der sich an (fast) alle Regeln hält braucht ein dickes Fell, auf beiden Seiten. Danke für deine unermüdliche Aufklärung. Mach weiter so!!! PS: Schon mal an eine (illegale) Hupe gedacht??

Ich besitze eine Airzound, siehe /2017/09/airzound-ein-bericht-ueber-eine-mit-druckluft-betriebene-hupe-fuers-fahrrad/

Allerdings habe ich aktuell wegen der Lenkerstulpen keinen Platz dafür am Lenker. Auch muss ich die sehr oft aufpumpen, teils mehrfach am Tag, weil ich die so oft benutze. Und der dritte Grund, die nicht zu nutzen ist die Tatsache, dass dadurch die Messergebnisse des Abstandsmessers (https://wiki.natenom.de/verkehr/projekte/abstandsmesser/radmessers) beeinflusst werden.

Der Typ war doch einzigste Nutzer seines Autos ?
Da sollte man mal fragen, warum er sich selbst beim Überholen behindert, weil er einen leeren Beifahrersitz neben sich kutschiert und somit Platz für Zwei in der Breite braucht.

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