Überholabstände mit und ohne Abstandshalter – mit dem RadmesserS gemessene Daten zeigen deutlichen Unterschied (wenn auch statistisch nicht korrekt)

Seit dem 1. August 2019 messe ich so oft wie möglich bei meinen Fahrradfahrten die Abstände bei Überholmanövern mit dem RadmesserS des Zweirat-Stuttgart. Zum Zeitpunkt der hier gezeigten Auswertung hatte ich so Daten von insgesamt 1935 Überholvorgängen gesammelt und validiert.

Ich fahre normalerweise nur Fahrrad mit einem Abstandshalter, einer Poolnudel, die am Gepäckträger montiert ist und insgesamt maximal 30 Zentimeter breiter ist als mein Lenker auf der linken Seite. Um für die Benutzung eines solchen Abstandshalters besser argumentieren zu können, bin ich einen Tag lang ohne den Abstandshalter gefahren. Mir war vorher schon klar, dass das unangenehm werden könnte aber ich brauchte ein paar Daten, die meinen subjektiven Eindruck bestätigen – oder eben widerlegen – würden. Von den 1935 Überholvorgängen fanden 122 ohne Abstandshalter statt. Das ist nicht sonderlich viel und ich weiß nicht, ob das für eine generelle Aussage ausreicht. Der Unterschied ist jedoch sehr klar und bestätigt auch meine bisherigen Erfahrungen damit.

Da der Lenker schräg steht, sieht der Abstandshalter breiter aus als er tatsächlich ist.

Die Diagramme in diesem Beitrag verdanke ich Bea Schwartz, die auf Twitter schon von Anfang an immer wieder ein paar Diagramme aus meinen Daten erstellt hat. Vielen Dank dafür.

Die folgende Auswertung zeigt deutlich, dass der Anteil derjenigen Fahrzeugführenden, die mit weniger als 1,5 Meter Abstand überholen, von normalerweise ca. 36 % auf fast 55 % ansteigt, wenn ich ohne den Abstandshalter fahre.

Auch der Anteil derjenigen, die mit weniger als 50 Zentimeter überholen, ist viel höher.

Ich hatte schon länger für die Benutzung eines Abstandshalters beim Fahrradfahren argumentiert, doch jetzt habe ich auch Daten, die den Unterschied sehr deutlich zeigen. Wiederholen werde ich das jedoch NIE WIEDER, denn es gab viele gefährliche Situationen, auf Landstraßen und auch in der Stadt.

Liebe Radfahrende: Wenn ihr entspannter Fahrrad fahren wollt, dann besorgt euch bitte einen Abstandshalter; z. B. eine Poolnudel für wenig Geld.

Hier noch die Unterscheidung zwischen innerorts und außerorts, unabhängig vom Abstandshalter:

Man kann sehen, dass sich die meisten (ca. 63 %) der Autofahrenden an den Mindestand von 1,5 Metern halten und auch, dass in innerorts knapper überholt wird als außerorts.

Hinweis: In den Diagrammen und Auswertungen, die bisher hier im Blog oder auch auf meinem Twitteraccount zu sehen waren, waren die Verteilungen etwas anders, denn es wurde noch kein Wert für den Rückspiegel von den Daten abgezogen. Denn der Rückspiegel der Autos wird nicht vom RadmesserS erfassst. In den neuen Diagrammen wurden dafür von jedem Überholvorgang 10 cm abgezogen, auch wenn es Autos/Lkws gibt, die Rückspiegel von 25 – 30 cm Breite haben.

Update (2019-09-03): Ich habe Feedback bekommen, dass es zu wenige Daten seien um „statistisch“ etwas auszusagen. Das mag sein und ich habe von diesem Thema keine Ahnung. Aber die Auswirkungen davon, ohne Abstandshalter zu fahren, habe ich schon tausendfach in den letzten Jahren erlebt und wollte auch einmal ein paar Messdaten dazu haben.

5 Gedanken zu „Überholabstände mit und ohne Abstandshalter – mit dem RadmesserS gemessene Daten zeigen deutlichen Unterschied (wenn auch statistisch nicht korrekt)“

  1. Ein einziger Tag ist eine viel zu geringe Datenbasis, um eine halbwegs aussagekräftige Schlussfolgerung ziehen zu können. Der Abstand bei Überholvorgängen basiert auf unterschiedlichen Voraussetzungen. Und damit zu einem großen Teil: vom Zufall. Gesetz der großen Zahlen. Fahr mal über einen längeren Zeitraum abwechselnd mit und ohne. Und vergleiche die Daten dann noch einmal.

    Ich bin noch nie mit „Abstandshalter“ gefahren. Und halte sowas auch für vollkommen überflüssig. Es gibt Tage, an denen werde ich 10 oder 20 mal fragwürdrig überholt, dann auch mal über mehrere Tage gar nicht.

    Ich halte die Sache mit der Poolnudel sogar auch eher für kontraproduktiv.

  2. Ich habe das nur gemacht, um ein paar Zahlen zu bekommen, weil ich jetzt einen Abstandsmesser habe. Ich bin vorher ein paar Jahre ohne Abstandhalter gefahren, dann irgendwann mit und zwischendurch auch wieder ohne. Und ich habe die Unterschiede immer sehr deutlich bemerkt. Dass es einen krassen Unterschied gibt, weiß ich also aus Erfahrung, jetzt auch mit Daten.

    Und die Daten zeigen z. B., dass ohne Abstandshalter diejenigen, die weniger als 50 cm Abstand einhalten, viel mehr werden. Mit Abstandshalter ist das eben der Bereich, in dem diese Leute Angst um ihren Lack haben.

    Ich halte es für sehr produktiv, wenn ich mein Leben mit so einem einfachen Hilfsmittel schützen kann.

    Nochmal: Fahre ich ohne Abstandshalter, merke ich sofort einen deutlichen Unterschied.

    Siehe auch https://wiki.natenom.de/verkehr/projekte/radfahrer_faq/wieso_der_abstandshalter

    1. Gefühle können trügerisch sein. ;) Die „Daten“ zeigen im statistischen Sinne gar nichts, denn es sind einfach zu wenige.

      Deshalb sollte man – wenn man schon so ein Gerät verwendet – so etwas objektiv nachweisen, indem man eine ausreichende Datenbasis schafft und auswertet. Ich bin mir sicher: An besonders „schlechten“ Tagen wird der durchschnittliche (oder auch minimale) Überholabstand auch mit deiner Poolnudel mal geringer sein – als bei deiner bisher einzigen Fahrt ohne.

      Deine Poolnudel weicht halt stark von der Norm ab – und macht dich „sonderbar“. Auf die besonders unterbelichteten Autofahrer kann das ebenfalls ein zusätzlicher Trigger sein, sich dir gegenüber noch einmal besonders asozial zu verhalten (weil sie es „dir zeigen wollen“). So sind es ja deinen Berichten nach auch hin und wieder „alte Bekannte“, die dich bereits in der Vergangenheit mehrfach gefährdet oder belästigt haben.

      Deine Poolnudel schützt dich im Extremfall vor gar nichts. Das hat der Engüberholer, der deinen „Abstandhalter“ neulich sogar gestreift hat, auch wieder gezeigt.

      1. Und ich behaupte trotzdem, dass die Leute, die sonst in dem Bereich überholen, den sonst der Abstandshalter einnimmt, geringer wird, weil sie in der Regel nicht damit zusammenstoßen wollen.

        1. An Tagen ohne Abstandshalter sind es deutlich mehr knappe Überholvorgänge als mit Abstandshalter. Vor allem solche bei Gegenverkehr, wo nichteinmal die Spur gewechselt wird. Und ist kein Gefühl, das sind Erfahrungen, die ich auch mit entsprechenden Videos belegen kann. Also sprich mir das bitte nicht ab.

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