Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #27

1 – Es geht bergauf und ca. 25 Meter weiter oben wartet ein Autofahrender, bis ich durchfahre, obwohl er oder sie genug Zeit hätte, über meine Spur abzubiegen. Ich winke zu und will die Person vorlassen, doch sie fährt nicht. Dafür überholt der dahinter wartende Autofahrer rechts und ruft mir beim Vorbeifahren seinen Namen zu. „Idiot“ haben ihn seine Eltern genannt.

2 – Ein auch noch in Gegenrichtung auf dem Gehweg Fahrrad fahrender Opa kommt mir entgegen und zeigt mir ein „Bekloppt“-Zeichen. Ich drehe um und frage, ob ihm klar ist, dass das eine Beleidigung ist. „Es ist doch meine Sache, wann ich mir Fliegen aus dem Gesicht wische.“ sagt er. Ich will endlich wissen, was man diesen Leuten hier ins Wasser mischt, ich will das auch haben, um mich anpassen zu können.

Dann weist er mich noch auf den tollen, geschotterten und steilen Waldweg hin, den ich befahren solle statt der Landstraße. Lustig, denn da, wo er gerade herkommt, kann er auch nur auf der Landstraße gefahren sein. Das ist bestimmt einer von diesen Menschen, die sich im Auto über Fahrradfahrende beschweren, die sie auf dem Fahrrad selbst sind.

3 – Auf dem Parkplatz sehe ich einen älteren Herrn, der fleißig Müll aufsammelt. Als ich losfahre, halte ich kurz neben ihm an, bedanke mich bei ihm dafür und sage ihm, dass ich das toll finde. Er erzählt mir, dass er das hier seit 20 Jahren mache und auch woanders und dass er früher mehr Müll gefunden habe.

4 – Noch in der Ausfahrt eines Kreisverkehrs überholt mich eine Autofahrerin; im Kreisverkehr selbst hatte ich das verhindern können.

5 – Ein Autofahrender überholt trotz Gegenverkehr, lässt genug Abstand zu mir, fährt aber auf die Gegenspur. Er lenkt so scharf, dass es kurzzeitig quietscht. Der erste Autofahrende im Gegenverkehr bremst stark ab, es quietscht wieder. Direkt danach steigt der zweite im Gegenverkehr auf die Bremse und fährt dem ersten fast rein, auch hier Reifenquietschen.

(Direktlink)

6 – Vor einem Geschäft spricht mich ein junger Mensch an. Sagt, er sei von mir genervt, weil es jedes Mal fünf Kilometer Stau hinter mir gebe, wenn ich den Berg hochfahre. Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass die Strecke nur 3,8 km lang ist und er minimal übertreibt. Dass mich Autofahrende ohne Abstandshalter mit nur wenigen Zentimetern Abstand überholen, glaubt er mir nicht. Argumente sind nicht so sein Ding und am Ende seines Monologs unterstellt er, ich sei geisteskrank. Ein unangenehmer Zeitgenosse.