Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #8

Los geht es um 14:40 Uhr.

14:53 – Ein Transporterfahrer überholt mich mit genügend Abstand, jedoch nicht den Radfahrer vor mir.

14:58 – Zweimal überholt mit ca. einem Meter Abstand bei Gegenverkehr.

15:02 – Trotz freier Gegenspur mit wenig Abstand überholt worden.

15:05 – Der Lkw mit Tankwagen auf der linken Spur fährt schnell an mir vorbei und kommt mir am Ende seines Fahrzeugs immer näher, sodass ich einen Schlenker nach rechts mache. Neben der Ampel 70m weiter stehe ich neben ihm und versuche, mit ihm zu sprechen. Er macht die Scheibe nicht auf.

15:10 – Pause bis 15:43.

15:45 – Ich fahre auf einem Radschutzstreifen. Ein Bus fährt mit extrem wenig Abstand an mir vorbei. An der nächsten Ampel fordere ich ihn auf, die Bustüre zu öffnen, um mit ihm zu reden. Widerwillig macht er auf und rechtfertigt den geringen Abstand damit, dass ich meine Radspur habe und er an der Linie entlang gefahren ist. Dass er trotzdem mit 1,5m Abstand überholen muss, will er nicht glauben. Sowohl Bus als auch Busfahrer tragen das Logo der Deutschen Bahn. Danke DB, dass ihr solche Leute auf Tour schickt, die wegen Unwissenheit auch in Zukunft so knapp überholen werden, und sich auch noch im Recht fühlen.

15:51 – Ein Autofahrender kann mich endlich überholen und ruft mir zu, der Abstandspinsel solle da weg. Richtig, damit er mich schon vorher trotz Gegenverkehr und mit minimalem Abstand hätte überholen können. Genau für solche Leute ist der Abstandspinsel auf dem Gepäckträger montiert.

15:54 – Drei Autofahrende hupen im Vorbeifahren auf der linken Spur ohne ersichtlichen Grund.

15:58 – Fünf Autofahrende überholen mit wenig Abstand, einer davon auf Höhe einer Mittelinsel bei einer einzigen Spur mit wenigen Zentimetern Abstand, um 50 Meter weiter vor mir an der roten Ampel zu stehen, die man vorher schon einsehen konnte.

An der Ampel hält ein Autofahrer ein Smartphone in der Hand und bedient es; auf dem Beifahrersitz schläft ein Kind.

16:00 – Pause bis 16:25.

16:31 – Ich warte, bis mich jemand aus der Seitenstraße auf die Hauptstraße drauf lässt; ein Auto rollt vorbei, während der Autofahrer auf sein Smartphone guckt.

16:42 – Alle Autofahrenden weichen auf den Gehweg aus, weil ein Autofahrender entgegen der Fahrtrichtung in der Einbahnstraße durch will.

16:45 – Ich sehe eine Dame, an die ich mich erinnere. Mitte des Jahres hatte ich sie an derselben Stelle getroffen. Damals war sie auf Krücken unterwegs. Ich sprach sie an und bot meine Hilfe an. Dann haben wir uns unterhalten und ich bin mir ihr zusammen die Strecke von 100 Metern zur Bushaltestelle gelaufen mit vielen, vielen Pausen. Wir brauchten ca. 45 Minuten für die Strecke. Sie war ziemlich verzweifelt damals und musste sich dann ein Taxi bestellen. Irgendwas war mit ihrem Bein. Heute fuhr sie mit dem Fahrrad an mir vorbei :) Sie hat mich aber anscheinend nicht erkannt.

17:04 – Hinter mir sehe ich wieder einen Linienbus und fahre in den Waldweg hinein, damit der Bus gut vorbeikommt und nicht lange hinter mir herfahren muss. Keine Reaktion des Busfahrers.

17:09 – Ein Autofahrender mit einem Kleinlaster bremst hinter mir ab, gibt mehrfach Gas und der Motor heult immer wieder etwas auf. Dann überholt er mich sehr langsam und knapp und macht mir Angst.

17:50 – Ein Traktor mit riesigen Rädern und Anhänger überholt mich ziemlich knapp. Es ist schon beängstigend, wenn einem so riesige Räder entgegen kommen.

17:52 – Ein Autofahrender muss zeigen, wie stark er sein Pedal durchdrücken kann und überholt absolut unnötig mit Vollgas.

Ab jetzt sind kaum noch Autofahrende unterwegs und es wird entspannter.

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2 Gedanken zu „Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #8“

  1. Zu 15:45 Uhr: Bestätigung dafür, was man mir vergangene Woche beim Gespräch mit der örtlichen Straßenverkehrsbehörde wieder nicht so wirklich glauben wollte: die Dinger fördern das Spurdenken und enge Überholvorgänge. Das ist ja auch hier ein klasse „Schutzstreifen“: an nem Längsparkstand – und das auch noch in einer Geschäftsstraße mit viel Ein- und Aussteige-Vorgängen.

    1. Das tragische daran ist, dass die Stadtverwaltung genau diese Schutzstreifen als Favorit sieht; auch wenn sogar schon der ADFC verstanden hat, dass nur geschützte Radstreifen sinnvoll sind.

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