Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #6

Anmerkung: Die Uhrzeit in den Videos zeigen noch die Sommerzeit. Habe sie im Blog dank eines Kommentars aber geändert. Danke dafür.

15:27 – Los gehts.

15:28 – Werde von einem Kleinauto knapp überholt auf der Landstraße, obwohl Gegenspur frei war. Gleich danach kommt ein Sprinter noch näher bei Überholen an mich dran.

15:30 – Die neue Kette springt in zwei Ritzeln, d. h. die sind durch. Ich fahre wieder zurück, um die alte Kette zu montieren, bis ich nächste Woche ein neues Ritzelpaket bekomme.

15:42 – Trotz Gegenverkehr überholt man mich knapp.

15:45 – Obwohl der Autofahrende der letzte von einer ganzen Reihe Überholer ist, fühlt er sich gedrängt, zu hupen, kurz bevor er mit viel Abstand überholt.

15:46 – Werde zweimal hintereinander trotz Gegenverkehr und mit wenig Abstand überholt.

15:50 – Zuhause, um die Kette zu tauschen.

16:10 – Durch die Sonne erscheint der Wald in wunderschönen Herbstfarben.

16:12 – Der SUV schleicht mit 25 in der 30er-Zone vor mir her. Der Leerlauf ist die Lichthupe des Fahrradfahrenden, das hatte ich mal irgendwo gelesen :P

16:18 – Trotz freier Gegenspur werde ich knapp überholt.

16:21 – Auch hier erscheint der Wald links und rechts von der Straße goldgelb. Ich mag solche Momente.

16:23 – Autofahrender überholt unnötigigerweise extrem knapp. Ich fahre dort ca. 45 bis 50km/h.

16:24 – Aus zwei Fahrspuren wird eine, die in den Kreisverkehr mündet. Einige wenige Autofahrende haben mit dem Einfädeln Probleme, wenn ein Radfahrender Vorrang hat. In diesem Fall ein Mensch in einem Sportwagen, der bis auf einen halben Meter an mich heran fährt, sodass ich mich bedrängt fühle. Ich rufe ihm zu. Nach dem Kreisverkehr überholt er mich und beleidigt mich währenddessen.

16:27 – Autofahrender überholt knapp trotz freier Gegenspur und hupt dabei wie selbstverständlich und zeigt sich verwundert, als ich „Hup Huuup“ rufe. Acht Sekunden später steht er vor mir an der roten Ampel.

16:59 – Die Sonne ist fast schon untergegangen; ich sehe neben mir einen Bus, bei dem links weder Rücklicht noch Bremslicht funktionieren. Ich ändere meinen Kurs, fahre dem Bus hinterher und weise den Fahrer an der nächsten Haltestelle darauf hin. Er bedankt sich und sagt, dass er das bereits weiß.

17:01 – Über die Fußgängerampel fährt ein Fahrradfahrender ohne Licht und mit plattem Reifen. Na dann.

17:27 – Der Sprinter, der ein paar Meter hinter mir fahren musst, bedankt sich mit einem Hupen. Ich winke freundlich und rufe „Hup Huuuup“. Danach geht wieder auf die lange Landstraße zurück nach Hause. Wenige Sekunden später überholt der erste Autofahrende trotz Gegenverkehr mit wenig Abstand.

17:28 – Ich sehe einen Linienbus herannahmen und habe wieder etwas Schiss davor. Doch der Busfahrende hält viel Abstand zu mir und bekommt dafür einen Daumen hoch. Ein Autofahrender dahinter verhält sich nicht so schön und überholt mich mit weniger als einem halbem Meter Abstand bei Gegenverkehr.

17:30 – Es folgen viele weitere Überholmanöver mit zu wenig Abstand und bei durchgezogener Linie und bei Gegenverkehr – wie leider jedes Mal auf dieser Strecke. Die Alternative ist eine Strecke durch den Wald, die aber gerade den Berg hoch führt, viel Steiler ist und auch noch teilweise geschottert. Die Straße dagegen führt in Serpentinen den Berg hoch.

17:33 – Ein Autofahrender unterschreitet den Überholabstand massiv.

17:37 – An einer Stelle, an der mich die meisten Autofahrenden mit wenig Abstand überholen, macht mir ein 40-Tonner klar, wie viel Abstand man hier einhalten kann, indem er die komplette Gegenspur nutzt, um mich zu überholen. Dafür gibt es einen Daumen hoch.

17:38 – Ich fahre in die Bushaltestelle ein, um die Autofahrenden hinter mir vorbei zu lassen.

17:41 – Wieder ein Autofahrender mit sehr wenig Abstand.

17:47 – Ich fahre rechts in den Waldweg hinein und lasse wieder einen ganzen Schwung Autofahrende vorbei.

17:48 – Ein Autofahrender hupt während er mit genug Abstand überholt. Wieso?

17:49 – Zwei Autofahrende sind wegen der scharfen Rechtskurve gezwungen, hinter mir zu fahren und könnten nur überholen, wenn sie die durchgezogene Linie überfahren. Der Autofahrende hinter mir hält sich an die Regeln und macht alles richtig. Dem zweiten Autofahrenden passt das gar nicht. Er hupt mehrmals länger und betätigt einmal seine Lichthupe. Als der zweite Autofahrende mich nach unendlichen 24 Sekunden, in denen er sichtlich um mindestens 20000 Jahre gealtert ist, endlich überholen kann, schließt er zu mir auf und ruft zu mir:

„Ey du Arschloch, ghörsch verschosse.“

In Hochdeutsch: Ey du Arschloch, du gehörst erschossen.

Alles klar, Anzeige geht in den nächsten Tagen raus. Die Führerscheinstelle dürfte sich neben der Polizei für so ein Verhalten im Straßenverkehr auch interessieren. Man erkennt den Fahrer und das Kennzeichen wunderbar.

18:14 – Auf der nächsten Landstraße schließt ein Polizeiwagen neben mir auf. Der Polizist auf dem Beifahrersitz fragt, ob alles okay sei. Ich bejae und sie fahren vor mich. Ich zeige einen Daumen hoch. Dann halten sie ein paar Meter vor mir am Straßenrand und schalten das Blaulicht ein. Beide steigen aus und mein Ausweis wird erbeten und überprüft. Ich frage, ob es einen Grund gibt dafür, was verneint wird. Es sei alles in Ordnung. Begründung für die Überprüfung: Es sei schon dunkel und ungewöhnlich, dass ein Radfahrender jetzt noch auf der Landstraße unterwegs sei; die Leute hätten sich Sorgen gemacht und natürlich angerufen. Wir plaudern noch etwas. Der Polizist ist verwundert darüber, dass ich die „lange“ Strecke von der Stadt bis hier hoch gefahren bin. Nach ca. 5 Minuten bekomme ich meinen Ausweis zurück und die beiden Polizisten verabschieden sich.

Der Rest der Strecke ist gemütlich und entspannend. Um 19:30 bin ich nach ca. 20km Zuhause.

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5 Gedanken zu „Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #6“

  1. „Es sei schon dunkel und ungewöhnlich, dass ein Radfahrender jetzt noch auf der Landstraße unterwegs sei; die Leute hätten sich Sorgen gemacht und natürlich angerufen.“

    Ernsthaft? Das soll ein Grund zu Überprüfung der Personalien sein? Finde ich schon ziemlich grenzwertig.
    Im Autonarren-Land USA hätte ich das erwartet, aber nicht hier.

  2. Hast du die Uhr noch nicht umgestellt – oder isses bei euch länger hell als bei uns im Wilden Westen…!? ;)

    Die Story mit der Polizei und mit den Anrufen der „besorgten Bürger“ zeigt, wie absurd die Wahrnehmung vieler Menschen ist; man wird von der Mehrheit als Radfahrer da wohl wirklich als Selbstmordkandidat betrachtet.

    Dabei fährt man einfach nur Rad. Im Dunkeln. Auf ner Landstraße…! Da kannste ja noch froh sein, dass die Rennleitung dich nicht in Schutzhaft wegen „selbstgefährdenden Verhaltens“ genommen und in die nächste Klapse eingeliefert hat! ;)

    1. Eigentlich müsste die Kamera das automatisch machen; werde ich überprüfen. So um 17:2x sollte es an diesem Tag bereits dunkel gewesen sein. Könnte hinkommen.

  3. Tatsächlich war die Zeit noch auf Sommerzeit eingestellt in der Kamera. Danke für die Anmerkung. Ich habe das gerade in allen drei Beiträgen seit der Zeitumstellung korrigiert.

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