Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #5

Anmerkung: Die Uhrzeit in den Videos zeigen noch die Sommerzeit. Habe sie im Blog dank eines Kommentars aber geändert. Danke dafür.

13:36 – Los gehts.

13:39 – Trotz freier Gegenspur überholt mich der Autofahrende mit wenig Abstand. Direkt dahinter noch einer.

14:07 – Auf der abschüssigen Landstraße will ich später rechts in den Wald abfahren und zeige deshalb schon frühzeitig ca. 200m mehrmals nacheinander Handzeichen und hoffe, dass der Sprinter hinter mir endlich seinen Abstand zu mir vergrößert. Stattdessen kommt er immer näher. Ich bin unsicher, ob ich trotzdem abfahren kann und kurz davor werde ich überholt. Danke für nichts.

14:10 – Auf der Gegenspur staut es sich, weil ein Lkw nur langsam den Berg hochfährt. Ich denke mir, die ganzen Autofahrenden dahinter müssen jetzt bitte hupen und schimpfen, weil sie nicht mit 80 hochfahren können.

14:21 – Ein Auto steht mit aktiviertem Warnblinker und eingeklappten Rückspiegeln auf dem Radweg, der auch für den Bus freigegeben ist. Schließlich muss der faule Besitzer direkt vor dem Dönerladen parken, während er gemütlich isst. Dafür bekommt er demnächst Post.

14:25 – 200m weiter parkt ein Lieferwagen vor dem eigenen Laden so, dass die Front des Autos die Hälfte des sowieso schon schmalen, benutzungspflichtigen Radweges blockiert. Und das im Kreuzungsbereich, wo man eh schon von den Autofahrenden ganz knapp überholt wird. Ich sage im Laden Bescheid, doch man sagt mir, der Fahrer sei nicht da. Ich rufe beim Amt für öffentliche Ordnung an und erkläre die Gefährlichkeit der Situation und auch, dass der Fahrer nicht da sei. Mensch am Telefon sagt mir, er schicke „vielleicht“ jemanden vorbei. 15 Minuten später fährt der Lieferwagen weg.

14:50 – Zweimal knapp überholt, Zeitersparnis jeweils um die zwei Sekunden.

14:55 – Ich komme am benutzungspflichtigen Radweg für beide Richtungen vorbei, der voll ist mit festgetretenem Laub. Mittlerweile ist das Laub auch schon nass und im Kurven- und Hügelbereich nicht gerade der Sicherheit förderlich. Ich rufe nochmal bei der Stadt an und bitte um Räumung. Vielleicht wird es jetzt endlich erledigt. Immerhin gibt es freie Kapazitäten, um die Mülleimer zu räumen. Man muss halt Prioritäten setzen.

15:08 – Auf dem kombinierten Geh- und Radweg steht ein Lastwagen samt Anhänger eines Umzugsunternehmens. Ich lese mir die Sonderparkerlaubnis durch und weise die Mitarbeiter darauf hin, dass da nichts von Radweg steht. Das sei ihnen egal; außerdem würden sie demnächst wegfahren.

15:14 – Kuscheln mit einem 40-Tonner trotz riesiger, breiter und weithin freier Straße.

15:29 – An der Ampel steht rechts von mir auf der anderen Spur ein Autofahrender und tippt etwas auf seinem Smartphone. Ich frage ihn, ob er eigentlich weiss, wieviel das kostet. Er sagt nein, ich kläre ihn auf, er legt es etwas verdutzt weg und fährt los.

15:33 – Ich sehe an einer Stelle mehrere Autos, die so auf dem Gehweg parken, dass man auf die Straße ausweichen muss. Ich mache ein paar Fotos und ziemlich schnell kommt jemand, der alle Autos nacheinander wegfährt und regulär am Straßenrand parkt. Wahr wohl ein Autoverkäufer oder sowas.

15:41 – Weil die kommende Strecke schlecht zum Überholen ist, fahre ich rechts in eine Parklücke rein, um die Autos hinter mir durchzulassen. Trotzdem drückt der erste Autofahrende beim Vorbeifahren dauerhaft auf seine Hupe.

15:44 – Knapp überholt. Zeitersparnis ca. drei Sekunden. Direkt dahinter noch einer.

15:45 – Pause bis 17:10.

16:19 – Auf einem großen Verkehrsschild ca. fünf Meter über dem Boden kann man den Schatten meines Kopfes mit Helm und Kamera erkennen. Entweder ist das Licht des Autos hinter mir sehr merkwürdig eingestellt oder jemand leuchtet mit einer Taschenlampe auf mich? Das Licht bewegt sich mit mir mit und man könnte annehmen, es sei mein Heiligenschein.

16:22 – An der Ampel stehend sehe ich, wie die Dame hinter mir sich mit ihrem Auto direkt neben mich stellt. Demonstrativ fahre ich vor sie, damit mich beim Anfahren nicht eine ganze Kolonne von Autos dahinter knapp rechts überholt.

16:30 – Ich mache Pause und gleich muss ich den Berg hochfahren und habe die Wahl zwischen „im Dunkeln durch den Wald fahren“ und „zur Hauptverkehrszeit auf der Landstraße mit wesentlich weniger Steigung fahren“. Und da habe ich auch schon den Satz im Kopf, den mir einst der Polizist gesagt hatte, als ich jemanden anzeigen wollte: „Wieso fahren sie auch zur Hauptverkehrszeit auf der Straße?“. Es ist also soweit, ich mache mir schon Gedanken darüber, ob ich überhaupt zu dieser Zeit dort fahren sollte, zu der ich zufällig dort bin. Und wenn was passieren würde, wäre ich auch noch selbst schuld… Ich entscheide mich trotzdem für die Landstraße, die wesentlich einfacher zu fahren ist.

16:54 – Landstraße. Der Autofahrende hupt beim großzügigen Überholen; ich winke freundlich.

17:00 – In der scharfen Linkskurve bei durchgezogener Linie überholt mich ein Fahrschulauto mit Fahrlehrer und Fahrschüler mit wenig Abstand. Schon bezeichnend, wenn die fünf anderen Autofahrenden dahinter nicht überholen, das Fahrschulauto aber schon. Bei der nächsten Pause rufe ich den Fahrlehrer an, der gerade im Auto sitzt und frage ihn, ob er das seinen Schülern so beibringt, mit ungenügend Abstand in einer Kurve verbotener Weise zu überholen. Er besteht darauf, dass sein Fahrschüler mit 1,5 Meter überholt habe und dass ich das ja gar nicht beurteilen könne. Dann sagte ich, dass es ein Video gibt und ich das so später beurteilen könne und auch die Polizei. Dann bot ich ihm eine „Brücke“ an und wollte wissen, ob das vorhin nur dumm gelaufen sei oder ob er das seinen Schülern so beibringe. Daraufhin entschuldigte er sich, sagte, es sei nur dumm gelaufen und dass er das so nicht seinen Schülern beibringen würde.

Zu sehen ist rechts meine Tasche, etwa die Mitte meines Fahrrads. Lenker ist links 35 bis 40cm breit. Laut Fahrlehrer sollten das anfänglich 1,5m Abstand sein.

17:10 – 17:30 Auf der Landstraße überholen wieder unzählige Autofahrende trotz Gegenverkehr, auch in den Kurven bei schlechter Sicht. Zwei sogar mit Dauerhupe.

17:40 – Ein Mensch gibt trotz Gegenverkehr Vollgas und überholt mich extrem knapp. Wenig später überholt ein weiterer mit wenig Abstand, jedoch nicht ganz so knapp.

17:46 – Der Autofahrende musste ein paar Sekunden hinter mir fahren und bedankt sich mit seiner Hupe, als er endlich überholen kann.

17:51 – In einem Dorf – im Bereich einer Mittelinsel hupt erst der zweite Autofahrende hinter mir, dann der erste. Schließlich müssen sie mindestens zehn Sekunden ihres wertvollen Lebens hinter mir fahren, ehe sie überholen können. Ich winke jedes Mal freundlich und fahre in die Mitte der Spur.

17:53 – An der letzten Haltestelle des Dorfes lasse ich die wenigen Autofahrenden hinter mir vorbei.

17:56 – Trotz freier Gegenspur überholt mich der Autofahrende auf der Landstraße mit sehr hohem Tempo und sehr wenig Abstand um drei Minuten später am Straßenrand ganz gemütlich sein Auto ausladen zu können.

18:30 – Ohne ersichtlichen Grund überholt der Autofahrende mit Dauerhupe, obwohl er wegen mir nicht einmal kurz bremsen musste, weil die Gegenspur frei war.

18:40 – Nach ca. 48km Zuhause angekommen; dieses Mal wesentlich entspannter als beim letzten Mal.

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