Alltagserlebnisse eines Radfahrenden #10

Es gab den Wunsch von einem Menschen auf mastodon, hier auch mal die schönen Seiten des Radfahrens zu zeigen.

Das hatte ich mir heute vorgenommen, aber für schöne Bilder war es schon zu dunkel und nette Momente gab es heute auch nicht allzu viele.

Los geht es um 15:18 Uhr bei schönem Nieselregen und um die 3°C.

Hinter mir sehe ich den Bus um die Kurve fahren und weil es gleich auf die Landstraße geht, wo er mich regulär nicht gut überholen könnte, fahre ich rechts in die Seitenstraße hinein, sodass er vorbei kann. Der Busfahrer bedankt sich.

15:22 – Ein Autofahrer überholt unnötig knapp trotz freier Gegenspur.

15:22 – Autofahrender überholt hupend mit sehr viel Abstand. Ich grüße zurück.

15:23 – Autofahrender überholt trotz Gegenverkehr und bedrängt meiner Ansicht nach auch den entgegen kommenden Autofahrenden.

15:34 – Bevor es auf der Landstraße in den S-Kurven-Bereich geht, lasse ich noch ganz viele Autofahrende vorbei, bevor ich losfahre. Sonst könnte es in diesem Bereich ungemütlich für mich werden.

15:36 – Aus dem leichten Nieselregen wird pieksiker Regen.

15:38 – Mit nicht allzuviel Abstand und bei freier Gegenspur überholt mich der Fahrer des Kleinlasters und der hintere Teil des Fahrzeugs kommt mir gefährlich nah. Ich fahre hier ca. 50km/h.

Zwei Kilometer weiter und vier Minuten später stand der Kleinlaster neben mir an der roten Ampel. Ich habe den Fahrer angesprochen und ihn um mehr Abstand gebeten. Ihm war gar nicht klar, wie knapp der hintere Teil des Wagens an mir dran war. Er hatte Verständnis und versprach Besserung.

Pause bis 16:30 Uhr.

16:34 – Ich fahre an einem Falschparkerspot in Pforzheim vorbei und dort sind zu meiner Überraschung Menschen von der Verkehrsüberwachung dabei, Autofahrende anzusprechen. Normalerweise parken dort Autofahrende in einer Zone, die für Busse reserviert ist.

16:35 – Genau am Übergang eines gemeinsamen Rad- und Gehwegs von einer Straßenseite auf die andere steht ein Lieferwagen auf der Abbiegespur und behindert den Verkehr.

16:38 – Ein Autofahrender quetscht sich zwischen mich und Gegenverkehr und überholtm ich mit wenig Abstand.

16:38 – Der Fahrer des UPS-Fahrzeugs, den ich gerade noch vorlassen wollte, was aber wegen eines mich überholenden Autofahrenden nicht funktionierte, überholt mich – zum Dank dafür? – mit wenig Abstand.

16:39 – Ein Autofahrender kann mich nicht regulär überholen, also fährt er zu meinem Entsetzen knapp rechts an mir vorbei auf der Rechtsabbiegespur und zieht dann rüber.

16:40 – Ein Autofahrender überholt unnötig knapp auf einer Straße, die eigentlich vierspurig sein könnte.

16:44 – Aus dem Wald kommt mir ein dunkel gekleideter Radfahrer mit weißem Helm, ohne Licht entgegen. Aus der anderen Straße kommt ein weiterer, gelb gekleideter Radfahrender ohne Licht und fährt dann über die vierspurige Straße auf den Radweg auf der anderen Seite.

Finde den Radfahrenden:

16:49 – Beim Überholen gibt der Autofahrende mit entsprechendem Raser-Kennzeichen Vollgas.

16:49 – Knappes Überholen trotz freier Gegenspur.

16:50 – Kleinlaster überholt knapp.

16:52 – Autofahrender überholt hupend, mit hohem Tempo aber zumindest mit genügend Abstand.

16:52 – Noch ein Überholmanöver mit wenig Abstand.

16:57 – Viele Autofahrende nacheinander überholen in der Linkskurve bei durchgezogener Linie mit wenig Abstand.

17:01 – Viele Autofahrende nacheinander überholen knapp trotz freier Gegenspur.

17:04 – Meine Lieblingsbuslinie – wieder mit einem Busfahrer, der mich nicht leiden kann und dieser überholt mit wenig Abstand.

17:20 – Unzählige Überholmanöver später, auch in der Kurve, trotz Gegenverkehr und auch bei durchgezogener Linie.

17:21 – Auf einem Parkplatz spreche ich eine ältere Dame an, die mich kurz zuvor mit wenig Abstand überholte und erkläre ihr, wieso der Abstand für einen Radfahrenden so wichtig ist. Sie hat Verständnis und will es in Zukunft besser machen.

17:25 – Pause.

17:38 – Freie Gegenspur, lange, gut einsehbare Straße; doch zwei Autofahrende überholen mich innerorts mit nur wenig Abstand.

17:45 – Wieder zwei knappe Überholmanöver trotz freier Gegenspur.

17:47 – Ich mache eine kurze Pause und montiere die Stirnlampe auf dem Helm, damit man mich durch den weit sichtbaren Lichtkegel besser wahrnehmen kann. Zudem wird es langsam nebelig. Das ist eine schöne Atmosphäre zum Radfahren.

17:50 – Ein Autofahrender überholt mich sehr knapp trotz Gegenverkehr; das entgegen kommende Auto hupt deshalb.

17:50 – Ein Autofahrender hält zwar genügend Abstand, hupt aber während des Überholvorgangs.

17:56 – Ein weiterer Autofahrender hupt die ganze Zeit, während er mit genügend Abstand überholt.

Anmerkung: Es ist zwar laut StVO erlaubt, ausserorts auf einen bevorstehenden Überholvorgang durch Hupen hinzuweisen. Das gilt jedoch nach meinem Verständnis so, dass man VOR dem Überholen kurz Hupt, nicht während des Überholvorgangs, wenn es für eine Warnung schon zu spät ist und eigentlich nur erschreckend wirkt.

18:02 – Innerorts überholt mich eine Dame, und hupt währenddessen, um dann zehn Meter später ohne zu blinken abzubiegen. Ich fahre ihr ein paar hundert Meter hinterher und spreche sie an, als sie vermutlich Zuhause anhält.

Haben sie gehupt?

Ja.

Vor welcher konkreten Gefahr wollten sie mich warnen?

Sie wirft mir vor, ich würde mit der Stange am Gepäckträger den kompletten Verkehr lahmlegen und mich nur egoistisch verhalten, anstatt „einfach mal an die Seite zu fahren“. Außerdem würde ich durch meine Fahrweise provozieren.

Mit „an die Seite“ meint sie vermutlich, dass ich rechts in der Rinne fahren soll, denn der Abstand, den ich rechts gehalten habe, war nicht sonderlich groß. Und der Autofahrende, der mich vor ihr überholte, hatte kein Problem damit, zum Überholen auf die freie Gegenspur zu fahren.

Ich erkläre ihr, dass die „Stange“, wie sie es nennt, die Autofahrenden zwingt, mich mit mindestens 30cm Abstand zu überholen.

Die Dame meint, der einzige für sie nachvollziehbare Grund für mein „Verhalten“ sei Provokation. Ich biete an, ihr in zwei Minuten zu erklären, wieso ich (entsprechend der StVO) so fahre. Sie lehnt ab, hat kein Interesse.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs fordert mich eine weitere Person auf, dass ich auf den Waldwegen fahren solle statt auf der Straße, das wäre viel angenehmer für mich.

Danke fürs Gespräch. Danke für nichts.

18:10 – Ich fahre weiter.

18:11 – Ein Autofahrender überholt mit genügend Abstand, währenddessen er mehrfach hupt. Ich grüße auch.

18:13 – Ein Autofahrender überholt mit sehr wenig Abstand und trotz Gegenverkehr.

18:15 – Ein Autofahrender überholt mich innerorts unnötigerweise mit wenig Abstand, und biegt an der nächsten Kreuzung ab, wo ich vorher noch an ihm vorbeifahren kann.

18:20 – Wieder auf der Landstraße überholt ein weiterer Autofahrender unnötig knapp und bei hohem Tempo.

18:30 – Pause.

19:00 – Der Autofahrende im SUV muss beim Überholen kurz vor dem Ortsschild bergab nochmal richtig Gas geben und den Motor aufheulen lassen, um zu zeigen, was für ein Kopf er ist und wie egal ihm die Anwohner sind, nur um dann direkt wieder stark abzubremsen.

19:02 – In einer leichten Kurve, in der die Straße enger wird, überholt mich ein Autofahrender knapp, trotz Gegenverkehr, um fünf Sekunden vor mir an der nächsten Kreuzung abbiegen zu können. Der entgegenkommende Autofahrer fühlte sich anscheinend genötigt und hat gehupt.

19:10 – Zuhause angekommen, heute nur ca. 35km gefahren.

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