Wieso Fahrradfahren auch im Winter schön ist – auch und vor allem außerhalb der Stadt

Ich fahre auch im Winter Fahrrad, aus zwei Gründen: Erstens, weil es Spass macht und zweitens, weil es für mich keine echte Alternative gibt.

Egal zu welcher Jahreszeit, wenn ich irgendwo hin will, dann geht das nur per Fahrrad. Denn der Bus ist zu teuer, fährt auch erst ab 6 Uhr morgens bzw. abends nur bis 23 Uhr und hat eine stündliche Taktung, teils fährt er nur alle zwei Stunden.

Mit dem Fahrrad kann ich dagegen selbst entscheiden, wann ich wo sein will. Und für manche Ziele müsste ich zwischen verschiedenen Verkehrsverbünden wechseln und sehr oft umsteigen, sodass ich mehrere Stunden unterwegs wäre. Ein Auto habe ich nicht.

Und was ist so toll daran?

Man erlebt die Natur

Es ist interessant, wie sich die Natur zu jeder Jahreszeit verändert. Gerade wenn man mit dem Rad unterwegs ist, merkt man diese Änderungen sehr deutlich.

Es ist z. B. unglaublich entspannend, Fahrrad zu fahren, während es schneit, vor allem wenn bereits Schnee liegt. Wenn man dann über Landstraßen oder durch den Wald fährt, herrscht eine schöne Stille, da die Schneeflocken den Schall verschlucken. Hier ein älteres Video von mir während so einer Situation.

Man ist für sich

Im Winter kann man sich zumindest auf dem Land ziemlich sicher sein, dass man einer der sehr wenigen, wenn nicht der einzige Fahrradfahrer ist und meist auch der einzige Mensch überhaupt außerhalb eines Autos oder außerhalb der öffentlichen Verkehrsmittel. Zumindest habe ich bisher keinen weiteren Radfahrer getroffen. Laut lokalem Fahrradhändler gibt es aber zumindest noch einen Menschen, der sich auch Mäntel mit Spikes gekauft hat.

Ohne Ansteckungsgefahr

In öffentlichen Verkehrsmitteln begegnet man zwangsläufig anderen Menschen, die man aushalten muss. Und dann gibt es auch noch Geschöpfe, die in der Nähe meines Gesichts ihr Innerstes aushusten. Selbst wenn ich davon nicht krank werde, finde ich das nicht sehr lecker.

Man bleibt garantiert wach

Im Bus sieht man immer wieder Menschen, die sich morgens kaum noch wach halten können, nur dasitzen und einschlafen möchten. Nutzt man das Fahrrad, dann ist man spätestens nach dem Überschreiten der Haustürschwelle hellwach. Es besteht keine Gefahr, dass man wieder einschläft :)

Das Fahrrad ist preiswert

Eine Tageskarte für den Bus kostet um die 5,80€. Dafür kann ich mehr als genug essen, um auf dem Rad treten zu können.

Fahrrad fahren im Winter ist coooool

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes cool, wenn man im Winter bei 0°C dampfend an irgend einer Ampel steht und die mitleidigen Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer sieht und sie nicht wissen, dass man in Wirklichkeit sie bemitleidet, weil es einem richtig gut geht :)

Schreien

Man kann auf der Landstraße auch zwischendurch ganz laut schreien. Man stelle sich mal das viele Blaulicht ein paar Minuten später vor, wenn man mal in einem Bus anfangen würde zu schreien :)

Entspannt ankommen

Mit dem Fahrrad kommt man fast immer entspannt an, vorausgesetzt man hat richtige Kleidung und friert nicht. Man kann während der Fahrt nachdenken und den Tag planen und ist entspannt. Man hat genügend frische Luft – im Gegensatz zu einem Bus oder Auto. Man ist dann auch den ganzen Tag über entspannter und nimmt viele Dinge gelassener.

Wo fährst du so?

Ich fahre meistens auf Radwegen, oft auf Strassen und wenn es sich anbietet auch über Feldwege oder durch den Wald, jedoch immer auf mehr oder weniger befestigten Wegen. Dabei sind immer zwei Radtaschen am Gepäckträger und eine Lenkertasche montiert. Der meiste Platz geht für zusätzliche warme Kleidung drauf. Denn wenn man mitten in der Pampa steht und merkt, dass man doch zu kalt ist, dann ist es gut, wenn man noch mehr anziehen kann.

Die meisten Strecken führen mich von Dorf zu Dorf. Nur selten bin ich in Städten.

Auch wenn das Radfahren für mich eher eine Notwendigkeit als ein Sport ist, so macht es trotzdem Spass.

Was muss man im Winter beachten?

Salz weg

Nach jeder Tour über gesalzene Straßen sollte man das Salz mit Wasser vom Rad abspülen, z. B. mit soetwas hier. Ich habe das letzten Winter einmal nicht getan und schon drei Tage danach hatte sich an der Kette Rost angesetzt.

Warme Kleidung

Es ist erstaunlich, wie wenig man anziehen muss, wenn man ständig in Bewegung ist. Bei 0°C habe ich z. B. nur eine sehr dünne, wasserdichte und winddichte Jacke an und ein dünnes Unterhemd darunter. Im Gepäck findet sich dann noch zur Sicherheit ein zweites Unterhemd.

Ich habe lieber etwas mehr warme Kleidung dabei als notwendig ist, bin dann aber auf der sicheren Seite.

Winterreifen (mit Spikes)

Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, siehe Fahrrad fahren im Winter – Bei Eis und Schnee – ein Erfahrungsbericht über Reifen mit Spikes.

Sichtbarkeit

Viel Licht macht gut sichtbar. Außer dem normalen Fahrradlicht nutze ich in der dunklen Jahreszeit für vorne eine blinkende Stirnlampe und hinten am Helm ein blinkendes Rotlicht.

Eine Warnweste gehört auch immer zur Kleidung dazu; aber das muss jeder für sich entscheiden. Ich trage sowas, werde aber niemandem vorschreiben, das auch tun zu müssen.

Wärmekissen für den Notfall

Dazu gibt es einen eigenen Artikel, siehe hier.

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