Radreise zum Bodensee – Erster Tag – Streckenprobleme, Navigationssoftware, Bergaufstieg, Bremsversagen…

Geplant ist eine Radreise von Pforzheim zum Bodensee in zwei Tagestouren. Von dort wird es dann weitergehen Richtung Westen. Alles andere ist noch ziemlich offen und wird unterwegs entschieden werden.

Meine aktuelle Packliste für Radreisen ist im Wiki zu finden, siehe hier.

gepaeck_und_kagube

Streckenplanung

Geplant ist am ersten Tag eine Strecke von ca. 84 km bis zu einem Campingplatz in der Nähe von Albstadt. Das entspricht dem halben Weg zum Bodensee. Man fährt dabei über Herrenberg und Rottenburg am Neckar.

Für die Route nutze ich die Webseite OpenRouteService.org; leider funktioniert aktuell das Höhenprofil nicht, was sich später noch als fatal herausstellen wird. Als Eigenschaften für die Strecke kreuze ich „Cycle Tour“ und „Shortest Route“ an.

Die so entstandene Route wird als GPX-Datei exportiert, und dann in OsmAnd geladen.

Los gehts…

Es ist Wetter. Für mich gibt es kein schönes oder unschönes Wetter, es gibt gefährliches Wetter, wie z. B. Gewitter, Sturm oder Hagel. Jedes andere Wetter verlangt nur entsprechende Kleidung. Es ist aber trocken.

Schlechte Wege

Anstatt mich auf der glatten Landstraße entlang zu führen, führt mich die Navigation laut berechneter Route auf den geschotterten Wegen entlang, die dann auch noch auf und ab gehen, obwohl die Landstraße eben ist. Das ist ein bisschen demotivierend.

Waldweg

Nach ca. 30 km lotst mich das Navi dann kurz nach dem Ort Gechingen in einen Wald und nach wenigen Metern auf einen seit Jahren nicht mehr benutzten, total zugewachsenen Waldweg.

„Cycle Tour“?`… nein danke. Ich fahre wieder zurück, verwerfe erst einmal die Route von OpenRouteService und lasse mir von OsmAnd zusammen mit BRouter eine Alternative berechnen. Doch statt der 84km sind das jetzt leider 105km für die gesamte Strecke von meinem Wohnort bis Albstadt. Das wars dann mit der Gemütlichkeit. Ich endscheide mich für die längere Strecke, da noch genug Zeit ist und fahre fortan über Landstraßen oder zumindest geteerte Feldwege.

Probleme mit der Navigationssoftware

Zwischendurch passiert es immer wieder, dass OsmAnd die Abbiegeanweisungen nicht per Sprache ausgibt und so verfahre ich mich mehrmals. Da das Display so eingestellt ist, dass es nur bei eben diesen Anweisungen kurz angeht, dauert es immer etwas, bis ich das merke, weil ich plötzlich in die falsche Himmelsrichtung fahre.

BRouter auch nicht perfekt…

Ich folge jetzt brav der Route von OsmAnd und stehe in Hechingen plötzlich vor einem Aufstieg mit insgesamt sieben oder acht Treppen mit sehr steilen Treppenstufen. Das ist also die Strecke für Fahrradfahrer von BRouter?

Habe bei BRouter in der Vergangenheit schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man plötzlich vor Treppen steht; das Material scheint nicht mehr ganz aktuell zu sein …? Wobei die Treppen nicht sehr neu aussehen.

Ich raste kurz, esse etwas und mache mich daran, mein Fahrrad die Treppen hochzuschieben.

Und was spare ich mir damit? Wenige Meter Straße, aber das erfahre ich erst am nächsten Tag:

hechingen_treppenwitz
© OpenStreetMap contributors, Lizenz siehe http://www.openstreetmap.org/copyright

Ausserdem passiert es mal wieder, dass mich BRouter auf seltsamen Wegen quer durch ein ganzes Dorf schickt, obwohl ich direkt nach rechts auf die Hauptstraße abbiegen könnte. Klar, BRouter ist darauf aus, Höhenmeter zu sparen, aber für mich gehts die Hauptstraße nur den Berg runter.

Fataler Fehler und ein sehr anstrengender Aufstieg auf das „Zeller Horn“ mit voll gepacktem Rad

Als ich in der „Oberstadt“ ankomme, sind es laut meiner aktuellen Route noch 35km bis zum Campingplatz. Da die vorherige Route von OpenRouteService.org immer noch auf dem Display in sanftem Rot angezeigt wird, sehe ich, dass diese ziemlich gerade nach unten verläuft, während die aktuelle viele Schleifen zieht.

Ich entscheide mich für die kürzere Route, denn diese ist nur 18km lang und ich bin schon ziemlich erschöpft. Ein fataler Fehler :P

Zuerst geht es auf einen Feldweg mit ziemlich grobem Schotter; da kann man vielleicht mit einem Fatbike noch fahren, aber nicht mit meinen schmalen Tourenreifen. Ich schiebe also. Dann geht es in den Wald hinein und der Weg wird besser, ich schiebe trotzdem, weil ich keine Kraft habe. Es wird langsam steiler und ich bekomme immer wieder Zweifel, ob ich nicht doch den längeren Weg nehmen soll. Aber es wird bald dunkel und ich will nicht im Dunkeln fahren müssen, also weiter…

Zwischendurch fahre ich immer mal wieder ein Stück, aber die meiste Zeit schiebe ich.

Es wird steiler und ich begegne einer Gruppe von Wanderern, die sich etwas zu wundern scheinen, was ich mit dem Fahrrad hier will.

Einer von ihnen sagt mir, die Steigungen haben jetzt ein Ende, aber er sagt direkt, dass das ein Witz war.

Wenige Meter später um die Ecke kommt eine Steigung, die so steil ist, dass ich Bedenken habe, mein voll beladenes, 48kg wiegendes Fahrrad überhaupt da hoch bekommen zu können. Und dann auch noch Schotter. Für die 100m oder weniger benötige ich sehr viel Zeit. Fahrrad nach vorne schubsen, Bremse drücken und einen Schritt nach vorne gehen. Schreien hilft auch ab und an mal :P

Und jetzt? Nach links geht ein Weg ab, der den Hinweis gibt, dass es sich um einen „Beruhigten Teil des Waldes handelt, den man weder zu Fuss noch sonstwie betreten sollte.“ Der sieht aber besser aus als die andere Seite; dort ist nur ein schmaler Pfad weiter nach oben. Ich entscheide mich für letzteren, der passt bessser zu der Route.

Einige Meter später wird aus dem schmalen Pfad ein sehr steiler Geröllpfad. Also muss ich wieder mein Rad Meter um Meter hochschubsen. Das ist sehr anstrengend und ich hoffe nur, dass ich wieder aus dem Wald raus bin, bevor es dunkel ist.

Irgendwann hat die Quälerei endlich ein Ende und ich bin oben angekommen auf dem Berg. Es ging von 541 Höhenmetern hoch auf ~900m.

Das war ein durchaus schwieriger Wanderweg, aber definitiv nichts fürs Fahrrad, erst recht nicht für ein voll gepacktes. Wie auch immer der Routenplaner von OpenRouteService.org darauf kommt. Ich werde denen mal eine Nachricht deswegen schicken, dann können sie das Problem beheben :)

Man kann das Problem übrigens auf deren Webseite nachvollziehen, in dem man die Streck in der Mitte von Hechingen startet und den Zielort Lautlingen angibt. Dann noch das „Fahrrad“-Profil auswählen und in den Einstellungen beim Zahnrad „Cycle Tour“ und „Shortest Route“ ankreuzen.

Hier das Höhenprofil des „Aufstiegs“ aus der per OsmAnd aufgezeichneten GPX-Datei; es ist ein Screenshot der Anwendung Viking:

aufstieg_hechingen_berg__viking_hoehenprofil

Der erste „Hubbel“ bei ca. 3,2km ist der sehr steile Schotterweg.

82 Minuten habe ich für den gesamten „Aufstieg“ benötigt.

aufstieg_hechingen_berg_viking_streckenverlauf
© OpenStreetMap contributors, Lizenz siehe http://www.openstreetmap.org/copyright

Und hier der genaue Streckenverlauf der aufgezeichneten GPX-Datei in Viking dargestellt:

Die Striche oben im Bild sind Wege, keine Höhenlinien.

Und hier noch ein Screenshot des Geschwindigkeitsverlaufs; unter 6km/h heisst es wurde geschoben:

aufstieg_hechingen_berg_viking_geschwindigkeitsverlauf

Nochmal zur Erinnerung: Eingestellt habe ich im Routenplaner „Cycle Tour“ und „Shortest Route“…

Bremsversagen…

Auf dem „Gipfel“ angekommen, muss ich direkt wieder steil hinunter, aber so, dass man gut fahren kann, vielleicht 500 Meter weit. Ich bremse bis zum Anschlag und plötzlich lässt die Bremswirkung rasch nach. Es wird glücklicherweise wieder flacher und ich kann noch gut auf einer Wiese zum Stehen kommen.
Ich betrachte meine Bremsen und seitdem weiss ich, wie heiss diese Scheibenbremsen werden können, und auch, wie die glühenden Bremsbeläge riechen. Nach vielleicht zwei Minuten Pause ist die Bremswirkung wieder da. Trotzdem werde ich in den nächsten Tagen bei einem Fahrradmechaniker vorstellig werden.

Campingplatz

Natürlich komme ich zu spät am Campingplatz bei Albstadt an und die Rezeption hat schon zu. Es ist auch keiner mehr da, den man ansprechen könnte. Die sanitären Einrichtungen sind nur per RFID-Chip zugänglich. Ich erkläre jemandem meine Verspätung und der öffnet mir mit seinem Chip dankenswerterweise die Türe :)

Vorher habe ich bereits mein Zelt aufgebaut und mich währenddessen gefragt, welcher schlaue Fuchs auf die Idee kam, einen komplett steinigen Boden als Zeltwiese auszuzeichnen; selbst mithilfe eines Holzscheitels konnte ich die Heringe nur sehr leicht bzw. meist gar nicht in den Boden bekommen.

Als das Zelt aufgebaut war, fing es auch schon an zu nieseln und dann richtig zu regnen.

Ich bin total erschöpft und gehe direkt um ~20:xx Uhr schlafen, obwohl ich eigentlich gerne noch was essen würde.

Fazit des ersten Tages

  • Gefahrene Strecke: 95,21km
  • Maximale Geschwindigkeit: 54,06km/h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,62km/h
  • Reine Fahrzeit (inklusive Schiebezeit): 06:30:40

Oder: Zu viel, zu hoch, zu weit, kein einziges Foto gemacht; aber ich bin unterwegs :)

Schlaf jetzt.

Hier gehts zum nächsten Tag der Radreise…

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Ein Gedanke zu „Radreise zum Bodensee – Erster Tag – Streckenprobleme, Navigationssoftware, Bergaufstieg, Bremsversagen…“

  1. Weitermachen! Mehr Radtouren und mehr Berichte dieser Art. Liest sich toll, ist informativ und interessant, und obendrein noch amüsant.

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